Innovatives Risiko-Assessment: PU sensor macht Dekubitus-Risiko objektiv messbar

Das Risiko-Assessment ist ein fester Bestandteil des Pflegealltags. Allerdings ist die Einschätzung des Dekubitusrisikos für die Pflegekraft nicht immer ganz einfach. Unterstützung bietet hier der PU sensor. Denn er kann einen wichtigen Faktor für die Entwicklung eines Dekubitus objektiv messen.

Bekannte Maßnahmen, wie die Beobachtung der Haut oder standardisierte Klassifizierungsskalen, sind ein wichtiges Tool zur Ermittlung des Dekubitusrisikos – allerdings nicht ganz frei von subjektiven Eindrücken oder den Erfahrungswerten der jeweiligen Pflegekraft. Schwierig wird es vor allem dann, wenn sich beim Patienten äußerlich kein erhöhtes Dekubitusrisiko feststellen lässt, dieser aufgrund gestörter selbstregulierender Mechanismen jedoch als Risikopatient behandelt werden sollte. Dazu gehört etwa eine dysfunktionale druckinduzierte Vasodilatation.

Bisher gab es kaum technische oder praxisnahe Möglichkeiten zur Beurteilung, welche Patienten unter dem Druck ihres eigenen Körpergewichts einen reduzierten Blutfluss haben. Das ändert sich allerdings mit dem PU sensor. Dieser kann durch die Messung des Blutflusses bestimmen, ob eine funktionale PIV (pressure induced vasodilation) bei der getesteten Person vorliegt oder nicht. Damit rückt ein Indikator in den Fokus, der von außen nicht erkennbar ist – aber dennoch große Auswirkungen auf das individuelle Dekubitus-Risiko haben kann.

Doch wie funktioniert das?

Die Relevanz der druckinduzierten Vasodilatation

Die Mikrogefäße im menschlichen Gewebe erweitern sich bereits bei geringem Druck. Diese Ausdehnung von Blutgefäßen nennt man druckinduzierte Vasodilatation oder auch pressure induced vasodilation (kurz: PIV). Die PIV ist ein selbstregulierender Mechanismus, der für eine ausreichende Sauerstoffkonzentration in der Haut sorgt. Das schließt auch eine präventive Reaktion zur Minimierung der schädigenden Wirkung von Druck- und Scherkräften ein, indem sie für ein Aufrechterhalten der Homöostase der Haut sorgt. Das Auftreten einer Ischämie wird dadurch verzögert, das Dekubitusrisiko verringert.

Kommt es bei der PIV zu einer Funktionsstörung, kann jedoch bereits geringer Druck auf das Gewebe zur Folge haben, dass sich der Blutfluss verringert. In Kombination mit einer eingeschränkten Mobilität kann sich das massiv auf das Dekubitusrisiko auswirken – und damit zu einem kausal wirkenden Faktor für das Assessment werden.

PU sensor macht Dekubitus-Risiko objektiv messbar

Die Messungen des Blutflusses werden mit der bereits in vielen verschiedenen klinischen Anwendungen eingesetzten Photoplethysmographie (PPG) durchgeführt. Hierbei handelt es sich um ein diagnostisches Messverfahren, das optisch die Blutfüllung in den oberflächlichen Hautvenen und Kapillaren bestimmen kann. Dafür werden im Rahmen des Messverfahrens Lichtwellen durch LED-Lichtquellen, welche in der Sensorplatte integriert sind, auf den zu untersuchenden Bereich gesendet. Der dabei reflektierte Anteil wird von den Fotodetektoren auf der Platine wieder aufgenommen und ausgewertet. Der direkte Vergleich zwischen den gemessenen Blutflusswerten gibt Rückschlüsse auf die Funktionalität der PIV der getesteten Person.

Die Blutfluss-Messungen sollte von der Pflegekraft jeweils am Kreuzbein vorgenommen werden – einmal mit und einmal ohne Belastung des Körpergewichts. Dafür befestigt sie die Sensorplatte mit einer speziellen Klebefolie am Kreuzbein des Patienten und legt das Luftkissen um die Sensorplatte. Ist der Patient in Rückenlage gedreht, startet die Pflegekraft die Untersuchung durch Drücken der Starttaste. Der Messvorgang läuft automatisch ab. Das Ergebnis erscheint nach etwa fünf Minuten auf dem Display des PU sensors.

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Sehen Sie hier, wie einfach die Messung mit dem PU sensor ist.

Alle Vorteile auf einen Blick: Objektives Risiko-Assessment mit dem PU sensor

  • Innovativ: erfasst das erhöhte Dekubitus-Risiko der Menschen, die mit herkömmlichen Assessment-Methoden nicht erkannt werden können
  • Qualitativ: verbessert die Standards in der Dekubitus-Prophylaxe
  • Sicher: stellt messbare und reproduzierbare Ergebnisse zur Risiko-Beurteilung zur Verfügung und unterstützt damit die Pflegekraft
  • Einfach: ist unkompliziert in der Handhabung
  • Schnell: objektive Messung liefert Ergebnis innerhalb weniger Minuten
  • Effizient: verhindert hohe Folgekosten sowie den entsprechenden Pflegeaufwand eines Dekubitalulcera durch frühzeitiges Erkennen ansonsten unauffälliger Risikopatienten

Made in Sweden – Die Entwicklung des PU sensors

Anna-Christina Ek, gelernte Krankenschwester und spätere Professorin, beschäftigte sich bereits vor ihrer Promotion mit dem Thema „Druckgeschwüre“. Für sie war die Kernfrage: Inwiefern beeinflusst der Druck des eigenen Körpergewichts den Blutfluss – und was bedeutet das für das Dekubitusrisiko? In den späten 80er Jahren lernte sie die Medizinerin Margareta Lindgren kennen – beide teilten die Passion für dieses Fachgebiet und führten an der Universität Linköpping umfangreiche Studien zum Risiko-Assessment durch, etwa mit optischen Verfahren wie der Photoplethysmographie. Mit dem über mehrere Jahre angesammelten Wissen schafften sie so das Fundament für die Entwicklung des PU sensors.

Der PU sensor ist ein unterstützendes Element im Dekubitus-Risiko-Assessment. Denn zu einer strukturierten Einschätzung des Risikos mit einer detaillierten Dokumentation gehört die Minderdurchblutung als relevanter Faktor. Da sie in Kombination mit eingeschränkter Mobilität mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Ausbildung eines Dekubitus führt, ist eine Messung mit dem PU sensor im initialen Screening zu empfehlen. Andere Faktoren müssen jedoch nach wie vor nach den gängigen Methoden bewertet werden und tragen mit der gleichen Gewichtung zum Dekubitus-Risiko bei.

Die Messung mit mit dem PU sensor sollte – wie das vollständige Risiko-Assessment auch – in Abhängigkeit vom individuellen Zustand wiederholt werden.