Krankenhausinfektionen sind eine bekannte und allgegenwärtige Gefahr: Alleine in Deutschland kommt es jährlich zu 400.000 bis 600.000 nosokomialen Infektionen.1 Für die Betroffenen bedeutet das: längere Behandlungszeiten und dauerhafte Komplikationen. Schlimmstenfalls können nosokomiale Infektionen lebensgefährlich werden oder sogar zum Tod des Patienten führen.2 Darüber hinaus belasten die Infektionen auch das Gesundheitssystem immens. Dabei wären viele Fälle vermeidbar –­­ vor allem durch wirkungsvolle Hygienemaßnahmen.

Nosokomiale Infektionen – also Infektionen, die Patienten im Zusammenhang mit einer medizinischen Maßnahme erwerben – entstehen in Einrichtung des Gesundheitswesens. Dazu gehören Pflegeheime genauso wie ambulante Praxen. Größtenteils sind jedoch Patienten in Kliniken betroffen. Hier gelten die Infektionen als häufigste Komplikation, die im Zusammenhang mit einer medizinischen Behandlung auftreten.

Auswirkungen nosokomialer Infektionen in Deutschland (pro Jahr):1,2

bis zu 6000.000 Fälle pro Jahr
10.000 bis 20.000 Todesfälle in 12 Monaten
Kosten für das Gesundheitssystem: 2,5 Milliarden Euro

Für das Entstehen nosokomialer Infektionen sind vor allem zwei Aspekt ursächlich:

  1. Keime breiten sich schnell aus!
    Das bestätigen unter anderem Daten, die anlässlich der Neueröffnung eines amerikanischen Klinikums in Chicago erhoben wurden. Hier konnten US-Forscher am „Center for Care and Discovery” mithilfe intensiver Probeentnahmen zeigen, dass „innerhalb von 24 Stunden […] das Mikrobiom des Patienten den Krankenhausraum [übernahm].”3 Auch fanden sie heraus, dass sehr schnell erste Resistenz-Gene auftraten.
  2. Keime treffen auf ein geschwächtes Immunsystem!
    Viele der Keime, die sich in Kliniken & Co. ballen, kommen auch am oder im Körper von gesunden Menschen vor. Der Unterschied: Hier treffen sie auf ein Immunsystem, das intakt ist. Bei kranken oder immungeschwächten Menschen können die gleichen Erreger jedoch dafür sorgen, dass es zu einer nosokomialen Infektion kommt – und beim Patienten erhebliche Schäden anrichtet.

Hinzu kommen Faktoren wie der verbreitete Einsatz moderner Medizintechnik. Denn Gerätschaften wie Katheter oder Sonden bieten – neben ihrem medizinischen Nutzen – immer auch eine mögliche Eintrittspforte für Erreger. Zudem kommt der menschliche Aspekt zum Tragen. So sorgen Überlastung und Arbeitsdruck häufig dafür, dass Hygienemaßnahmen nicht in dem Umfang durchgeführt werden (können), der notwendig wäre.4

In diesem Erklärvideo zeigt der BVMed die häufigsten Infektionswege und informiert über wichtige Hygienemaßnahmen, wie die Desinfektion zur Vermeidung von Keimübertragungen und die Auswahl der richtigen medizintechnischen Verfahren und Produkte.

So verbreiten sich Krankenhauskeime

Am häufigsten verbreiten sich Erreger „von Haut zu Haut”. So gelangen sie entweder von Patient zu Patient oder nutzen das medizinische Personal als Überträger. Davon ausgehend deklariert auch das Robert-Koch-Institut (RKI), dass „für Übertragungen innerhalb von Einrichtungen der Pflege […] häufig die gleichen Wege in Betracht [kommen] wie im Krankenhaus. Auch hier sind es in erster Linie die Hände des Personals”.5

Zudem ist eine Übertragung über kontaminierte Oberflächen möglich. Das kann der Kontakt mit Türklinken, aber auch dem Bett oder Nachtisch am Patientenbett sein. In diesem Fall spricht man von einer Umgebungs- oder auch Kreuzkontamination.

Neben diesen Wegen ist auch eine Übertragung über die Tröpfcheninfektion möglich. Dabei gelangen die Erreger über die Luft auf andere Oberflächen oder auch Menschen, siedeln sich an und vermehren sich.

Die häufigsten
nosokomialen Infektionen

Erhebungen zeigen: Patienten leiden aufgrund von Krankenhauskeimen am häufigsten an unteren Atemwegsinfekten und postoperativen Wundinfektionen. Zudem spielen Harnwegsinfekte sowie (primäre) Sepsen im Klinikalltag eine entscheidende Rolle.6

Auslösende Erreger sind dabei in den meisten Fällen Escherichia coli, Clostridium difficile und Staphylococcus aureus. Das größte Problem: Aufgrund steigender Resistenzen sind diese immer schwerer zu bekämpfen. Das zeigt sich im Speziellen an Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus, die gegen Methicillin und viele weitere gängige Antibiotika resistent geworden sind (MRSA = methicillin-resistenter/multiresistenter S. aureus).

Krankenhauskeime vermindern, Infektionen vermeiden

Die Kontaminationswege machen es bereits deutlich: Für eine Vermeidung oder zumindest Reduzierung der Keime sind konsequente Hygienemaßnahmen essenziell.

Dabei gibt es für jeden Übertragungsweg eine goldene Regel, die eine Erregerübertragung zumindest eindämmen kann:

  • Bei der Übertragung durch den Kontakt mit kontaminierter Haut kommt es vor allem darauf an, eine konsequente Händedesinfektion durchzuführen.
  • Im Zusammenhang mit Kreuzkontaminationen zählt die strikte Reinigung und Desinfektion von Oberflächen und Gegenständen zur wichtigsten Präventionsmaßnahme. Zudem ist kontaminiertes Material zu entsorgen.
  • Tröpfcheninfektionen lassen sich am besten mithilfe eines Mund-Nasen-Schutzes verhindern.

Im Rahmen der Prävention geht es insgesamt darum, die patienteneigenen (Alter, Komorbiditäten, etc.), sowie die sogenannten „externen Faktoren“ (Katheder/Sonden, häufige Klinikaufenthalte, etc.) im Blick zu haben. So kommt eine Fülle an Bestimmungen und Vorgaben zusammen, die in einer Einrichtung das Zusammenspiel verschiedener Abteilungen erfordern. Umso wichtiger ist es, dass es einen bindenden Hygieneplan gibt, den alle Beteiligten – von der Reinigungskraft bis hin zum medizinischen Personal – kennen und in den sie regelmäßig unterwiesen werden.

Beispiel für eine sinnvolle Hygienemaßnahme: Matratzen im Zentrum der Keime

Matratzen in Kliniken und Heimen sind einer starken Kontamination ausgesetzt. Denn die Behandlung der Erkrankten, aber auch deren gesundheitliche Einschränkungen, die beispielsweise mit Harn- und Stuhlinkontinenzen einhergehen, führen zu einer massiven Verunreinigung der Betten, insbesondere der Matratzen: Körperflüssigkeiten und Mikroorganismen und damit potenziell infektiöses Sekret gelangen durch die Nähte und Reißverschlüsse der Schutzbezüge in den Matratzenkern und begünstigen hier die Verbreitung von Erregern.

Entsprechend weist das RKI darauf hin, das der Aufbereitung von Krankenhausbetten besondere Beachtung geschenkt werden sollte.7 Und auch der Arbeitskreis „Krankenhaus- & Praxishygiene“ der AWMF postuliert in ihrer Leitlinie zur „Hygienische Aufbereitung von Patientenbetten”, dass das Krankenbett als eine Quelle nosokomialer Infektionen zu identifizieren sei. Weiter beschreibt der Arbeitskreis in der Leitlinie: „Da Krankenhauspatienten im Allgemeinen eine höhere Infektionsanfälligkeit als Gesunde besitzen, ergibt sich die Konsequenz, dass Krankenbetten einschließlich Matratzenencasing, Kissen und Bettdeckenkern […] desinfizierend aufbereitet werden müssen, um eine Kolonisation bzw. Infektion durch Krankheitserreger sowie deren Weiterverbreitung zu vermeiden.”7

Matratzen gemäß der Hygienevorgaben reinigen, erfordert einen zeitaufwändiger Reinigungsprozess durch eine thermische/manuelle Aufbereitung. Zur Infektionsprophylaxe können hier Hygienematratzen (z.B. Lentex®) beitragen: Eine auf den Matratzenkern fest laminierte Schutzschicht verhindert das Eindringen – den sogenannten „Strike Through” – von Bakterien und Flüssigkeiten und gewährleistet damit einen optimalen Hygiene-Schutz und Unterstützung bei der Vermeidung von nosokomialen Infektionen. Zudem ist sie durch eine einfach Wischdesinfektion zu reinigen. Gleichzeitig eignet sich die Matratze für die Dekubitusprophylaxe, sodass diesem Risikofaktor simultan entgegengewirkt wird.

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Quellen:
1 Pressemitteilung des Robert-Koch-Instituts, https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2019/14_2019.html; zuletzt aufgerufen am 28.03.2022.
2 Leading Medicine Guide Redaktion: Nosokomiale Infektionen; https://www.leading-medicine-guide.de/erkrankungen/infektionen/nosokomiale-infektion; zuletzt aufgerufen am 28.03.2022
3 “Krankenhauskeime: So besiedeln Mikroorganismen eine Klinik” – DER SPIEGEL, https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/krankenhauskeime-so-besiedeln-mikroorganismen-eine-klinik-a-1149127.html: zuletzt aufgerufen am 29.03.2022.
4 Krankenhausinfektionen (Nosokomiale Infektionen), Netdoktor, https://www.netdoktor.de/krankenhaus/krankenhausinfektionen-nosoko-11201.html; zuletzt aufgerufen am 29.03.2022.
5 Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2005, 48:1061–1080; DOI 10.1007/s00103-005-1126-2; Springer Medizin Verlag 2005; zuletzt aufgerufen am 29.03.2022.
6 https://www.management-krankenhaus.de/topstories/hygiene/hygiene-und-wundantiseptik-ueber-die-wirksamkeit-der-waffen-im-kampf-gegen-post-0, zuletzt aufgerufen am 28.03.2022Arbeitskreis „Krankenhaus- und Praxishygiene“ der AWMF (2010): Hygienische Aufbereitung von Patientenbetten. AWMF-Register Nr. 029/023 Hyg. Med. 35 (7/8): 268-272.
6 Infektions- und Krankenhaushygiene, Bettenaufbereitung. RKI; https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/ThemenAZ/B/Bettenaufbereitung.html#:~:text=Eine%20zentrale%20thermische%20Aufbereitung%20von,2%2C3%2C4%5D., zuletzt aufgerufen am 29.3.2022.